Lyrik

      Die burschikose Marjell
               (Heiligenwalde 1940)

 

Wenn andere Mädchen brav zu Haus

sich putzten in Samt und Seide,

zog sie in Sturm und Wind hinaus,

auf Onkels Pferdeweide.

 

Juchheißa, über Draht und Zaun;

nun war sie im Paradiese:

Wie glänzten die Pferde rötlich –  braun

auf blumenreicher Wiese.

 

Schnatternde Enten dort am Teich,

lärmende Frösche und Vögel,

und über Gottes Wunderreich,

der Himmel als blaues Segel  ….

 

Hü – hopp – Galopp mit frischem Mut –

schnell auf den Rücken geschwungen!

Hü – hopp – Galopp voll Übermut

Den Graben quer durchsprungen!

 

Bergauf – bergab in wildem Ritt,

bald wieherten die Pferde –

und trabten alle Fohlen mit,

erbebte rings die Erde ……

 

Doch wenn die Sonne niedersank,

schied sie von Pferd und Zügel.

Die Mutter wartete schon lang –

zu Hause gab  es Prügel.

 

Die Mutter hatte ihre Plag;

sie musste oft noch warten –

was wusste sie, wie schön es war

in Onkels Pferdegarten …….

Uschi Prinz (1940)

 Dieses Gedicht hat einst Uschi verfasst,  eine Cousine aus Königsberg, die sehr häufig – auch nach der Schule – zu uns nach Heiligenwalde kam. Zum damaligen Zeitpunkt war sie gerade 16 Jahre alt.  Der Abschied fiel ihr immer schwer, da das Großstadtleben so ganz anders war.
Auch hieran kann man erkennen, wie wohl sich alle bei uns fühlten.