Heiligenwalde- Die Flucht -Die Nachricht

Wie wir später erfahren haben, gab es noch mehrere Heiligenwalder, die nicht flüchten wollten oder aus Altersgründen bzw. krankheitsbedingt nicht flüchten konnten. Damit niemand alleine war,  hatten sie sich alle in einem Haus in Heiligenwalde zusammengefunden; denn geteiltes Leid ist halbes Leid.
So wurde uns später von Augenzeugen berichtet, dass unser Wohnhaus mit einigen Stallungen bereits in der Nacht vom 25. zum 26. Januar durch Beschuß abgebrannt sei. Zu diesem Zeitpunkt verweilten wir in Königsberg und waren noch nicht einmal 24 Stunden auf der Flucht. Alles, was einmal lieb und teuer war, wurde in einer Nacht vernichtet. Das gesamte Hab und Gut wurde vernichtet. Viel mehr aber zählte, dass wir versuchen,  unser Leben zu  retten, aber auch das stand in den Sternen.

Jahre später hat meine Mutter von überlebenden Heiligenwaldern einen Brief erhalten, indem ihr geschildert wurde, wie ihr Wohnhaus abgebrannt ist. Es handelt sich um einen Augenzeugenbericht, aus dem ich das Wichtigste herausschreibe:

 

Als am  Donnerstag, dem  25.1.45 gegen Abend  das Dorf leer war,  ging  eine Bewohnerin des Dorfes zu Oma und bat sie, doch zu ihr zu kommen, damit sie
nicht  so  alleine sei.  Zu  diesem  Zeitpunkt  hat Oma  die Küche gewischt und
dann wollte sie erst noch alles aufräumen.  Sie hat gesagt :“ nun sind sie alle  weg
und haben noch nicht einmal aufgeräumt.“ Danach sei sie dann doch gekommen.
Dort hat sie dann  gestrickt.  Sonst ist  alles  ruhig gewesen. Des  Nachts  jedoch
klopfte es ans  Fenster und  jemand fragte,  ob  Großmutter da sei und riefen laut,
dass ihr Haus brenne. Großmutter ist  dann nach  Hause gelaufen  –  nein sie ist geflogen  -   Man  wollte sie  begleiten,  sei  aber  gar nicht  so  schnell  hinterher gekommen. Als sie dann zu Hause ankamen, schlugen die Flammen schon über
den Hof zu den Schuppen.. Wir haben Großmutter gebeten, nicht in das Haus zu laufen, doch sie hat sich nicht halten lassen. Die Bekannten haben dann noch eine Weile gestanden, aber die Oma sei nicht wieder gekommen. Wahrscheinlich ist sie dort in den Flammen sofort umgekommen.  Am nächsten Morgen waren nur noch die Ringmauern des Hauses zu sehen.  Die Wirtschaftsgebäude sind stehen geblieben. Sicher war es so für Großmutter bestimmt. Denn, als dann die Russen die Anderen aus dem Dorf getrieben haben, wäre die Oma sicher nicht mitgegangen. Das hätte
sie nicht überlebt, denn nahezu alle, die den Ort nicht verlassen konnten oder
wollten, sind erschossen worden.........

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